Juli 8th, 2011 by Administrator
Wie viele Internetnutzer gibt es in Deutschland? Auf den ersten Blick klingt das nach einer sehr einfachen Frage. Aber die Antwort darauf hängt davon ab, wen man fragt. Ich habe in der folgenden Grafik die Aussagen zum Umfang der Internetbevölkerung der wichtigsten Onlinestudien in Deutschland miteinander verglichen:

Onliner in Deutschland
Die Zahlen variieren doch sehr deutlich: Am wenigsten Internetnutzer weist das US-Marktforschungsunternehmen Nielsen aus: Hier sind es nur 46,5 Mio. Onliner in Deutschland. Auf der anderen Seite haben wir die von TNS Infratest identifizierten 52,7 Mio. Onliner aus dem gerade wieder in einer neuen Auflage erschienenen (N)Onliner Atlas. Zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Wert liegen 6,2 Mio. (13%)!
Woher kommen diese Unterschiede? Der Teufel steckt hier mal wieder im Detail. Genauer: In den jeweiligen Definitionen von Onlinenutzung oder sogar den Formulierungen der Fragen danach, wenn es sich um Befragungen handelt. So trackt zum Beispiel Nielsen die monatliche Zahl der Onlinenutzer mit einem Nutzerpanel, während die ARD-ZDF-Onlinestudie in Telefoninterviews nach der „gestrigen Internetnutzung“ fragt – damit wird auch jemand, der vor 6 Wochen einmal aus Versehen auf seinem Computer auf das Internetexplorer-Symbol geklickt hat, zum Onliner.
Leider findet man die Definitionen oft nur sehr versteckt auf den Webseiten oder in den Pressemitteilungen. Und wenn die Zahlen dann in den Massenmedien auftauchen, sind die Fußnoten schon längst auf dem Weg verloren gegangen. Dabei sind diese Informationen unverzichtbar, um die Daten richtig zu interpretieren und eine realitätsnahe Vorstellung davon zu entwickeln, was wir hier unter dem Label “Onliner” oder “Internetnutzer” eigentlich gezählt haben.
Daten-Quellen:
- Nielsen: „Deutsche Top-Marken im Internet und Onlinenutzerprofil: Mai 2011“, 17.6.2011
- ComScore: „comScore Releases Overview of European Internet Usage for May 2011“, 6.7.2011
- Google: Doubleclick AdPlanner
- AGOF: Internet Facts 2011-03, 30.6.2011
- ARD-ZDF-Onlinestudie: Internetnutzer in Mio., 4.7.2011 – siehe dazu auch meinen Blogpost zur Veränderung der Soziodemographie des Internets bis 2020
- (N)ONLINER Atlas, 7.7.2011
Juni 17th, 2011 by Administrator
Forsa hat in seiner Umfrage festgestellt, dass sich 19 Prozent der Bevölkerung Sorgen wegen Ehec machen. Die Researcher von ethority wollten wissen: Wie gehen Fans, Follower und Community-Mitglieder im Social Web mit Ehec um? Erstes überraschendes Ergebnis: das Bakterium ist erst mit deutlicher Verzögerung im Social Web ankommen – dann aber mit vielen Fragen und Kritik. 13 Prozent der User sprechen dezidiert über ihre Sorgen und Ängste.

Die meisten Posts sind jedoch neutral, heißt die User diskutieren Übertragungswege, stellen Ferndiagnosen und fragen nach Rezepten gegen das Bakterium. Im Monitoring finden sich aber auch positive Beiträge, beispielsweise wenn sich User freuen, dass Gemüse billiger geworden ist oder dass die Infektionsrate zurückgeht. Die negativen Beiträge betreffen überwiegend die Politiker, die Forschungsinstitutionen und das Krisenmanagement.

Eine Möglichkeit für die Politik hier zu punkten:
Seriöse Experten informieren im Auftrag der Politik auf den Plattformen, auf denen die User in Krisenzeiten am aktivsten sind – Gutefrage.net, Wer-weiss-was.de und was-wir-essen.de. Konkrete Antworten und weiterführende Informationen in „Echtzeit“ und „vor Ort“ können das Image der viel Gescholtenen deutlich verbessern.
Benedikt Köhler (COO, ethority) zu den Ergebnissen: “Besonders überraschend ist die Ungleichzeitigkeit in den medialen Reaktionen. Als Erstes haben die Massenmedien über das Thema berichtet. Nach ein bis zwei Tagen Verzögerung ist das Thema bei den Usern angekommen, was man an dem deutlichen Anstieg der Google-Suchabfragen zum Thema erkennt. Und natürlich wurden diese Meldungen auch auf Twitter- oder Facebook immer wieder gepostet.
Auf diesen Kanälen wurde der nutzergenerierte Themensturm aber erst mit der “Freisprechung” der Gurke und der Verdächtigung von Sprossen als Übertragungsweg viral. Im Sekundentakt wurden neue Sprossen-Wortspiele erfunden und oft hunderte Male retweetet. Das Thema EHEC ist mit der Sprosse zu einem echten Mem geworden, das sich selbständig durch die Netzwerke verbreitet.”
Oktober 9th, 2009 by Sabrina Panknin
TOP 4 TWITTERLINKS
1. Twitter Data Analysis: An Investor´s Perspective
In diesem Artikel gibt es u.a. neue und interessante Infos und Facts über Twitter mit vielen Graphiken von RJMetrics.
2. Apple to Woolworths: Your new logo is too apple-y!
Apple beschützt seine Marke. Das könnte die Kaufhauskette Woolworth zu spüren bekommen. Hier werden die beiden Logos gegenüber gestellt.
3. 4 kleine Tipps für effektive Social Media Nutzung
Hier gibt es 4 Handlungsempfehlungen, die man in Bezug auf eine effektive Social Media Nutzung im Hinterkopf behalten sollte.
4. Google´s Social Media Ambitions
Ein ausführlicher Post von Charlene Li und Jeremiah Owyang von der Altimeter Group über Googles Ambitionen in Social Media.
Der Blogartikel der Woche
In der Open Source Demokratie wartet man keine Einladung ab
Im Interview erläutert Axel Bruns was man in Zukunft von einer Open Source Gesellschaft erwarten darf und was nicht.
Social-Media-Fundstück der Woche
Am Wochenende noch nichts vor? Hotpotch, die Eventsuchmaschine für den deutschsprachigen Raum wächst stetig.

Zitat der Woche:
“Wenn Zeitungen, die ihre Inhalte kostenlos anbieten, Pleite gehen, wird es danach keine kostenlosen Informationen im Internet mehr geben”
meint Stefan Aust
September 17th, 2009 by Sten Franke
Fast täglich erreichen uns Anfragen zum Thema Social Media Monitoring, Webmonitoring und Measurement in Social Media. Wen wundert’s – bildet doch das „Zuhören“ oder „Hineinhören“ in die betroffenen Zielgruppen Grundlage für viele aktive Marketing- und CRM-Maßnahmen. Forrester prognostiziert bis 2012 die Umschichtung eines relevanten Teils der Marktforschungsbudgets von US-Unternehmen in Social Media Monitoring & Analyse.
Als wir vor über 10 Jahren mit den ersten Webmonitoring-Projekten begonnen haben, waren vor allem Newsgroups, Messageboards, Gästebücher und Webseiten im Fokus unserer Analysen. Mit dem rasanten Wachstum von User Generated Content und dessen Einfluss auf Markensympathie, Empfehlungsverhalten und Kaufentscheidungen der Verbraucher, aber auch auf Reputation von Produkten, Personen, Unternehmen und Organisationen, wächst der Bedarf für professionelle Monitoring-Lösungen.
Besonders wichtig ist die Analyse von Social Media in Echtzeit und das 24/7-Monitoring, denn die Geschwindigkeit mit der Kommunikation heute abläuft, hat sich vervielfacht. Relevante Informationen werden über Twitter, Blogs, Social Networks und Onlineforen in wenigen Sekunden verbreitet, kommentiert, hundertfach multipliziert und millionenfach „gehört“.
So ergeben sich zahlreiche Herausforderungen aufgrund der Komplexität von Social Media und den mannigfaltigen Auswertungsdimensionen und Möglichkeiten:
1. Welche Social-Media-Plattformen sollten untersucht werden? Twitter und andere Microblogging-Dienste, Blogs, Social Networks, Online-Foren, Bewertungsportale, Video- Channels, News-und Nachrichten-Seiten, Aggregatoren etc.
2. Welche Themen sollten untersucht werden?
Marken, Produkte, Social-Media-Kanäle, Aufbau von Begriffswelten – keine Keywordlisten
3. Welche Anwendungsmöglichkeiten gibt es? CRM, Marketing, Marktforschung, PR, Recruiting 2.0, Vertriebssteuerung etc.
4. Welche Webmonitoring-Tools sind am Markt verfügbar? Websearch-Tools, Webclipping-Services, Monitoring-Dashboard-Tools, gridmaster-Monitoring-Technologie
5. Wer wertet die Daten aus und wie werden diese interpretiert?
Eigenes KnowHow, Research-Team, Referenz-Systeme & Kennzahlen, Social-Media Analysten
6. Welche Erkenntnisse, ROI, Benefits und KPIs lassen sich ableiten?
z. B. Werbewirkung, Consumer Insights, Kundenbindung und effektivere Kampagnenplanung
Webclipping-Dienste (Medienbeobachtung)
Die Webclipping-Dienste werden der Vollständigkeit halber hier erwähnt, sind jedoch für jegliche sinnvolle Social-Media-Auswertungen ungeeignet. Zum einen werden häufig nur einige wenige Weblogs beobachtet, zum anderen wird mit Stichwort- oder Keywordlisten gearbeitet, die keinerlei Insights zulassen.
Social Media Dash-Board-Tools
In aller Munde sind so genannte Dashboard-Monitoring-Tools, da sie aufgrund ihrer niedrigen Einstiegskosten einen groben Eindruck über Blogkommentare und Twitter-Erwähnungen ermöglichen und mit farbigen Charts und Visualisierungen vermeintlich relevante Themen und Keywords hervorheben und deren Relevanz mit diversen Skalierungen suggerieren.
Die Grenzen dieser Tools sind jedoch schnell ausgereizt, da sie nur einen Teil der Social-Media-Plattformen abbilden und aus meiner Erfahrung weniger als 10% der relevanten Beiträge aufzeigen. Zum Beispiel können Online-Foren und Bewertungsplattformen nicht umfänglich berücksichtigt werden, wo diese jedoch mehr als 80% des Social Media Buzz ausmachen.
Zum anderen liefern Dash-Board-Tools eine hohe Ungenauigkeit bei der Trefferzuordnung, da kaum die Möglichkeit besteht, die Tools zu trainieren, Begriffswelten aufzubauen und Themenfilter zu programmieren.

Vorteil: niedrige Kosten, gute Visualisierung von allgemeinen Informationen ohne Erkenntnistiefe
Nachteil: geringe Trefferanzahl, hohe Fehlerquote, keine individuellen Auswertungen
In Teil 2 möchte ich morgen früh die komplexeren Monitoring-Technologien und Auswertungsmöglichkeiten näher betrachten.
Dezember 20th, 2008 by Alexander Becker
Das US-Angebot Capitol Words hat seine Homepage überarbeite. Bislang bot die Seite einen einmaligen Dienst. Jetzt sieht er auch noch richtig gut aus. Capitol Words zeigt auf einen Blick, worüber US-Kongress-Abgeordnete wirklich reden.
Dazu analysiert der Dienst die Reden aller Abgeordneten und stellt die häufigsten Schlagworte in einer klassischen Schlagwort-Wolke da. So zeigt Capitol Words: Die Themen von Hillary Clinton sind „health“ und „care“. Barack Obama sprach dagegen häufig über „americans“.


Das Reden-Mashup liefert aber nicht nur nach Abgeordneten sortiere Auswertungen, sondern kennt auch die häufigsten Wörter eines Tages, einer Woche, eines Monat, eines Jahres oder der gesamten aktuellen Kongress-Periode.
Drittes überzeugende Feature der Seite: Es lässt sich auch nur nach einzelnen Wörtern suchen. Bei einer Fahnung mit dem Suchbegriff „Germany“ zeigt sich, dass Deutschland – langfristig betrachtet – eine relativ konstante Rolle spielt. Ausnahme: Ende 2003 bzw. Anfang 2004 gibt es einen harten Ausschlag der Kurve nach oben.
Hinter dem Projekt Capitol Words steht die Sunlight Foundation. Ein bekanntes weiters Projekt dieser Organisation ist das Open Senate Project.
Lustige Erkenntnis aus der Rubrik „nutzloses Wissen“: Republikaner sprechen weit öfter von und über Google, als Demokraten.




