April 17th, 2005 by Administrator
Von Prof. Dr. Ulrike Röttger
Die Schwierigkeiten der theoretischen Konzeptionierung des Issues Managements beginnen bereits beim Versuch der präzisen Definition seines Gegenstandes, denn eindeutige Übersetzungen des Begriffs „Issue“ und taugliche, wissenschaftliche Defini-
tionen existieren nicht.
Einigkeit besteht allerdings innerhalb der unterschiedlichen Issues-Management-Ansätze darüber, dass Issues generell ein Konfliktpotenzial aufweisen, welches von öffentlichen Interesse ist: Issues beziehen sich auf kontroverse Ansichten, Wertvorstellungen und Problemlösungen bezüglich eines Sachverhaltes.
In vielen Issues Management-Ansätzen betont, dass Issues Management sich nicht nur auf die Abwehr von Risiken, Konflikten und Schaden bezieht, sondern auch die Entdeckung von Potentialen und die Erfolgssteuerung beinhaltet. Issues müssen nach diesem Verständnis nicht negativ aufgeladen sein. In der Praxis dominiert allerdings ein Issues Management, dass sich auf konflikthaltige Issues bezieht.
Zurück zu den Issues-Merkmalen: Der Verweis auf den öffentlichen Charakter von Issues macht deutlich, dass Issues nicht auf Individuen und deren Privatsphäre bezogen sind; nur konfliktträchtige Sachverhalte, die über die Privatsphäre des Einzelnen hinaus Relevanz für die Gesellschaft bzw. mindestens ein gesellschaftliches Handlungsfeld entwickeln, können ein Issues werden. Issues im Sinne des Issues Managements weisen zudem einen klaren Organisationsbezug auf, d.h. sie haben tatsächlich oder potenziell Auswirkungen auf die Organisationen und deren aktuelles oder zukünftiges Handlungs-
potential.
Zusammenfassend weisen die vorhandenen Definitionsangebote darauf hin, dass es sich bei Issues im Sinne des Issues Managements um Sachverhalte handelt, die:
- von öffentlichen Interesse sind;
- ein Konfliktpotential aufweisen;
- tatsächlich oder potenziell Organisationen und deren Handlungspotenzial tangieren;
- eine Beziehung zwischen Anspruchsgruppen/Teilöffentlichkeiten und Organisationen herstellen und
- im Zusammenhang mit einem oder mehren Ereignissen stehen.
Textauszug aus „Issues Management – Mode, Mythos oder Managementfunktion?“ aus dem Buch „Issues Management“ von Prof. Dr. Ulrike Röttger



