April 4th, 2012 by Sten Franke

Dieses Schlagwort hat mal wieder das Zeug, zu einem neuen All-Time-Klassiker auf allen Konferenzen von Hamburg bis San Francisco zu werden: Digital Darwinism. Erfinder des Begriffes ist Brian Solis, einer der interessantesten Denker der digitalen Ära, Principal Analyst der Altimeter Group, Buchautor und Keynote Speaker.

Digitaler Darwinismus   Social Media und die Neuordnung der Märkte

Unter dem Schlagwort versteht er den Verdrängungswettkampf, dem Marken im Social Web ausgesetzt sind. Denn jetzt konkurrieren auf einmal hungrige und extrem Kunden-fokussierte Newcomer mit alteingesessenen Brands, die lange von ihrer Tradition, ihrem Bekanntheitsgrad und ihren eher behäbigen Produktzyklen lebten. Nun stellen diese Firmen fest, dass die Newcomer überproportional wachsen und Dank ganzheitlicher Implementierung von Social Media nur noch einen Klick weit davon entfernt sind, ihren Untergang einzuläuten.

Ein wichtiger Faktor dabei ist die neue Macht der Konsumenten – also das Mitsprache- und Kommunikations-Recht, das längst auf allen Social-Media-Plattformen aktiv gelebt wird.

Für Solis tobt bei Facebook & Co. ein Verdrängungswettkampf, den nur jene Companies überleben werden, die bereit sind, diesen Wandel zu akzeptieren und umzudenken. Um in diesem Verdrängungswettkampf zu bestehen, sollte man sich an zehn Grundsätze halten. Dazu gehören u.a. Strategy, Culture, People oder Vision. Unter dem letzten Punkt fragt Brian zurecht, wann man das letzte Mal das Mission Statement seiner Company gelesen hat? Ob man dazu steht und ob es zeitgemäß ist. Im Grunde geht es für ihn darum, dass es einer Firma gelingen muss, eine Kultur und eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, die es jedem Mitarbeiter erlaubt, seine volle Kreativität und Innovationskraft einzubringen.

Ein Unternehmen, das im Digitalen Darwinismus bestehen will, muss sich immerzu hinterfragen und jederzeit bereit sein, seine Ziele und Strategien anzupassen. Weitere Schlagwörter, die für Solis unverzichtbar sind: Localization, Philanthropic Capitalism und Intelligence. Dazu heißt es wörtlich:

„One of the biggest trends in 2011 was the development of social media command centers. At the heart of these sophisticated data gathering silos were conversations and tools that allowed community managers to listen, respond, and promote engagement within the company. While social media is introducing the art & science of monitoring to marketing and service teams it is the organizations that invest in technology, teams and processes that will translate activity into actionable insights.“

Die allerdings wohl spannendste Überlegung von Brian Solis ist, dass er vom Top-Management mehr Führungsqualitäten einfordert. Sie müssen die Strategie vorgeben und vorleben. Sie müssen für die nötige Firmenkultur sorgen und sollen auch die Ersten sein, die den Nutzern und Konsumenten in den sozialen Netzwerken zuhören.

Digitaler Darwinismus   Social Media und die Neuordnung der Märkte
Quelle: Emarketer.com

Damit bestätigt der US-Amerikaner einen Trend, mit dem wir uns gerade erst beschäftigt haben. Denn nach einer Studie von Brandfog wird die Social Media-Wahrnehmung einer Marke positiv von dem Umstand beeinflusst, ob der CEO der Company selbst bei Twitter, Facebook & Co. aktiv ist. So sind 78 Prozent der befragten Personen der Meinung, dass es positive Folgen für die Kommunikation eines Unternehmens hat, wenn der Boss selbst in die Rechner- bzw. Smartphone-Tasten haut. 71 Prozent glauben, dass dadurch das Marken-Image gesteigert wird und 64 Prozent sind davon überzeugt, dass eine Firma mit zwitscherndem oder facebookendem Management als transparenter empfunden wird.

Persönlich finde ich Brian’s Ansätze extrem spannend, so dass ich darauf in den nächsten Blog-Artikeln noch tiefer eingehen möchte. Relativierend bleibt natürlich zu sagen, dass diese Grundsätze zunächst vor allem für Consumer-zentrierte Business-Modelle Gültigkeit besitzen.