August 20th, 2009 by Johannes Junghänel

Im Rahmen seiner Masterarbeit „Portable Privacy“ an der HTW Berlin führte Kai Uhlemeyer eine der bis dato umfangreichsten quantitativen Umfragen zum Thema „Privatsphäre im Netz“ im deutschsprachigen Raum durch.

Die Ergebnisse:
Grundsätzlich zeigt sich, dass 82% der Befragten eine eigene Definition von Privatsphäre besitzen. Die Mehrheit dieser Personen beschreibt Privatsphäre im Zusammenhang mit dem Recht „in Ruhe gelassen“ zu werden, in Bezug auf das Netz zeigt sich, dass viele Personen ihre Daten nur dann veröffentlicht sehen wollen, wenn dies ausdrücklich von ihnen gewünscht wird.

Die Privatsphäre erscheint in der heutigen Zeit, die durch die Nutzung zahlreicher Darstellungsformen der eigenen Persönlichkeit geprägt ist, als eines der höchsten Güter. So geben 98,2% der Befragten an, dass ihnen Privatsphäre im Allgemeinen wichtig bzw. sehr wichtig ist. Dies ist in Bezug auf den oftmals sehr freizügigen Umgang mit den eigenen Daten eher verwunderlich. Und auch ein klarer Trend zeichnet sich ab: 86% geben an, dass das Thema „Privatsphäre“ im Zeitalter des Internets in Zukunft mehr an Bedeutung gewinnen wird und damit zunehmend in den Vordergrund einer öffentlichen Diskussion rückt. Die leichte Flaute im öffentlichen Diskurs wird sicherlich bald wieder vorbei sein, spätestens sobald einer der großen Anbieter wieder eine AGB-Änderung ankündigt.

Die ständige Konstruktion von Identität und Vergangenheit im Netz zeigt, dass diese mit einer erhöhten Offenlegung persönlicher Daten einhergeht. Dies sehen die Teilnehmer der Studie ähnlich, sodass 93,5% der Aussage zustimmen, das Internet mit all seinen Facetten würde die Offenlegung persönlicher Daten ihrer Nutzer beschleunigen. Hier sei angemerkt, dass die Nutzung Sozialer Netzwerke, Social-Bookmarking-Dienste, Blogs etc. die Datenverbreitung fördert.  Auch wenn UGC nicht direkt persönliche Daten preisgibt, so lassen sich doch Rückschlüsse auf  Verhalten, Vorlieben, Netzwerkstrukturen etc. des Users ziehen. Dieser Umstand resultiert allerdings aus der Tatsache, dass teilweise allzu leichtfertig mit der Angabe persönlicher Informationen umgegangen wird. Diesem Umstand würden laut Umfrage 95,2% eher zustimmen.
Auch auf Seiten der Anbieter von Internetdiensten werden laut Umfrage zu viele Daten archiviert, so sind 92,9% der Meinung, dass Internetdienste mehr persönliche Daten als nötig erheben. Sind jedoch die oftmals unentgeltlich angebotenen Möglichkeiten einem gewissen Trade-Off, Leistungen gegen Einschränkungen, unterzogen? Dies würden die Befragten nur bedingt unterschreiben, so sind nur 38,7% der Ansicht, dass die neuen Möglichkeiten, die durch das Internet geboten werden, im Gegenzug eine Einschränkung der Privatsphäre bedingen.

Bei der Frage, ob jeder Nutzer selbst darüber entscheidet, welche Informationen im Netz preisgegeben werden, sind sich die Teilnehmer nicht ganz einig. Mit einer knappen Mehrheit von 52,6% zeichnet sich ab, dass Nutzer genau dies eben nicht entscheiden können.
Im Zuge der Diskussion über die Privatsphäre im Netz und ob diese eingeschränkt wird oder nicht, darf jedoch nicht vergessen werden: Das Internet mit all seinen Facetten steht für Öffentlichkeit, Transparenz und Partizipation. Wo Freiheit aufhört und Transparenz Menschen in dieser einschränkt, muss wiederkehrend erörtert und diskutiert werden.

Allgemeines zur Studie:
Insgesamt nahmen an der Umfrage 1661 Personen im Alter von 13 bis 73 Jahren teil. Dabei wurden  45 Fragen zu Themen der Demographie, Lebensumstände im Allgemeinen, Internetnutzung, Privatsphäre, dem Umgang mit persönlichen Daten und Inhalten etc. behandelt. Zu beachten ist, dass diese online durchgeführte Umfrage keinen repräsentativen Schnitt durch die Bevölkerung darstellen kann. Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass die Teilnehmer in einem erhöhten Maße Medienkompetenz und -affinität aufweisen und damit höchst sensibel auf das Thema „Privatsphäre“ reagieren.

Der erste Teil der umfangreichen Umfrage steht mit sämtlichen Grafiken und Rohdaten unter der Creative Commons Lizenz hier zum Download und zur Ansicht zu Verfügung.

Februar 10th, 2009 by David Nelles

Interessante Dinge tun sich bei Facebook. Nachdem die Übernahmeverhandlungen mit Twitter in den letzten Monaten für Facebook erfolglos ausgegangen sind, scheint Herr Zuckerberg nun eigene Microblogging-Ambitionen zu haben. Seit Freitag gibt es für Facebook-Developer die Möglichkeit über eine API auf die Statusmeldungen der Facebook User zuzugreifen.

We’re launching several new APIs for Facebook Platform today. These new interfaces open up access to the content and methods for sharing through several Facebook Applications — including Facebook Status, Notes, Links (what we used to call Posted Items), and Video — to go along with the APIs already available for uploading and viewing through Facebook Photos. We’ve seen increasing engagement with over 15 million users updating their status each day and sharing over 24 million links per month. We wanted to make sure this content and the ability to share this content was available through our standard APIs.

Die Schaffung dieser Schnittstellen scheint keine schlechte Idee zu sein, schaut man sich den immensen Erfolg von Twitter an. Nicht jeder Social Media User möchte sich durch Fotoalben durchklicken, Videos hochladen oder ständig auf den Netzwerken spielen. Twitter bricht den Sinn eines Social Networks auf das Wesentliche herunter, denn es geht in Social Media um den schlichten Dialog und das Teilen von Informationen. „Schlicht“ heißt im diesem Zusammenhang nicht minderwertig, sondern vielmehr auf das Wesentliche, auf die Information, reduziert. Der Erfolg gibt Twitter Recht und den großen Netzwerken ist der Erfolg der komprimierten Nachrichtenübermittlung sicherlich auch nicht entgangen. Daher ist es für die großen Netzwerke wie Facebook wichtig zu reagieren:

I believe Facebook’s recognition of status as the most important and most powerful social gesture seals the deal. Status is where it’s at in social networking. This is very good for Twitter and its also very good for the other social nets who recognize this and move quickly to provide status updating features and open them up to the social web.

Fred Wilson hat mit seiner Einschätzung völlig Recht. Die Statusmeldung ist der zentrale Punkt in Bezug auf Social Networking. Ein wichtiges Asset von Social Network ist schließlich die Vorbereitung von Informationen in Echtzeit. Der Erfolg von Twitter zeigt, wie sehr die User an der Verbreitung von Informationen über alle Kontinente hinweg interessiert sind. Daher spricht auch einiges dafür, dass Statusmeldungen ein wichtiges Erfolgskriterium für die Zukunft der Netzwerke sein können.

Ich denke aber nicht, dass diese Entwicklungen die Existenz von Twitter gefährden werden. Der Unterschied dieser beiden Ansätze ist schließlich offensichtlich. Bei Facebook wird eine Status-Veränderung nach einem Update nur dem jeweiligen Social Graph angezeigt, bei Twitter ist das aber etwas anderes:

A service like Facebook, with its emphasis on privacy and reciprocal following serves the user who values privacy and wants to have a smaller and more intimate social experience (the private party). A service like Twitter with its default to public and one-way follow serves the user who wants to reach the broadest audience (the man on the soapbox)

Genau wegen des Unterschiedes „Privat / Öffentlich“ werden sich Twitter und die kommenden Facebook-Applikationen nicht wirklich ins Gehege kommen.